IMMER NOCH JANUAR, IMMER NOCH WINTER || Stockholm Diary #20

Ihr Lieben,

hier wie versprochen der zweite Teil zu meinen Erlebnissen im Januar.

Nach meinem fantastischen Winterlauf im Haga Park war ich mit Franzi verabredet, zum Kaffee trinken und um zusammen in der Stadt rum zuschlendern. Unser Weg führte uns zum Skinnarviksberget, Stockholms höchstem natürlichen Punkt. Wir kamen gerade noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang (15:02h, haha, traurig)! Im Sommer sind sicherlich viele Leute auf dem Berg, um zu picknicken und den Tag ausklingen zu lassen, aber jetzt, im Winter, waren kam Leute dort oben. Die Aussicht war trotz Kälte phänomenal schön. Von dort hat man den perfekten Blick auf Kungsholmen, Gamla Stan, Stockholms Stadshus und den Rest der Umgebung (Södermalm). Der Himmel war blau, die untergehende Sonne tauchte die Stadt in warmes orangenes Licht und alles wirkte so still und friedlich. Franzi und ich genossen jede Sekunde und blieben so lange, bis uns die Füße einfroren.


Bevor es nach Hause ging, kaufe ich mir in einer winzigen Bäckerei auf Gamla Stan meinen ersten Semla und konnte mein Glück nicht fassen, als ich sah, dass es mittlerweile auch vegane Semlor gibt! So eine perfekte vegane Sahne habe ich noch nie zuvor gegessen, keine Ahnung, wie die das gemacht haben! Ich will das auch können!

Abends haben Franzi und ich bei ihr gekocht, weil sie alleine zu Hause war und dann Shades of Grey geguckt. Ich wollte Teil 3 nämlich im Kino sehen mit Franzi und musste ihr daher erst die anderen beiden Filme zeigen, haha.

Am nächsten Tag wollten Franzi und ich auf einem See auf Lidingö Schlittschuh laufen gehen, allerdings erwies sich das als riesiger Fail, als ist feststellen musste, dass ich die falschen, viel zu kleinen Schlittschuhe eingepackt hatte. Franzi ist dann alleine zwei Mal um den See gedüst und ich habe geschmollt und gefroren.

Damit der Nachmittag doch noch ein wenig schön wurde, haben wir Cisco zu Hause abgeholt und mit ihm einen lange, schönen Winterspaziergang gemacht. Zur Zeit ist es so kalt, dass sogar das Meer endlich anfängt, einzufrieren.

Weil ich aber unbedingt nochmal Schlittschuh laufen gehen wollte, bin ich die Woche danach morgens nach Kottla gefahren (mit passenden Schlittschuhen) und ein paar Runden gelaufen. Es war einfach nur herrlich! Wenn die Fahrerei nicht wäre, würde ich jeden Morgen eine Runde fahren. Es ist total erfrischen und wesentlich angenehmer als joggen gehen, wie ich finde. (Es waren übrigens auch noch andere Menschen auf dem See unterwegs, die man auf dem Foto nicht sieht. Ich weiß nicht, ob ich mich komplett alleine aufs Eis trauen würde.)

In der Woche danach ging mein Sprachkurs wieder los, und ich konnte es kaum erwarten, endlich wieder weiter zu lernen. Das ist kein Scherz. Wenn ich zu viel Freizeit habe, bin ich überfordert mit meinem Leben und außerdem bin ich mit meinen schwedisch Kenntnissen noch lange nicht da, wo ich sein möchte, was bedeutet: lernen, lernen, lernen.
Ab Donnerstag war ich dann alleine mit den Kindern und Cisco, weil Betty und Jonas für ein paar Tage nach Finnland mussten. Ich war ein bisschen nervös, aber alles lief wie am Schnürchen, bis auf einen Streit zwischen A. und S. Donnerstag Abend. Geplant war, dass die beiden zusammen mit Cisco im Elternbett schlafen, aber das wollte A. dann nicht mehr und S. wollte nicht alleine sein, weshalb er spontan in meinem Zimmer eingezogen ist. Wir haben es uns mit meinem Buch, das wir im Schwedischkurs lesen, gemütlich gemacht und gelesen, bis er eingeschlafen ist.

Am nächsten Abend war A. bei einer Freundin eingeladen und S. und ich haben uns etwas richtig leckeres zum Abendessen gemacht und danach Star Wars VI geschaut und Nachtisch gefuttert.

Samstag kamen Betty und Jonas auch schon wieder und ich ging morgens ganz normal zum Parkrun. Es war mittlerweile wieder wärmer geworden und sämtlicher Schnee im Park geschmolzen. Es sah wesentlich trostloser aus, als die Woche zuvor, war aber nicht weniger lustig. Cisco war mal wieder in Topform, so wie wir es schon von ihm gewohnt sind.

Nachmittags ließ ich mich von S. dazu überreden, mit ihm zu einem Handballspiel seines Lehrers (der gerade einmal 19 ist) zu gehen. Mein Interesse für Handball bewegt sich im Bereich 0 bis -10, aber wenn der niedlichste 9-Jährige, den ich kenne, mich mit großen Augen, Wimpern klimpernd ansieht, und “snälla snälla Nele” sagt, kann ich einfach nicht nein sagen. Alleine durfte er nämlich nicht gehen, und so saß ich also an meinem freien Samstag Nachmittag in einer Sporthalle und schaute mittelmäßig gutem Handball zu. Tatsächlich war es aber spannender und unterhaltender, als erwartet, und zudem machte es mich unglaublich glücklich, in S. begeistertes Kindergesicht zu schauen, während er Oskar anfeuerte. Als dieser S. nach dem Spiel (welches das richtige Team gewonnen hatte, Gott sei Dank) ein Highfive gab und sagte, “cool, dass du gekommen bist”, war S.’s Tag perfekt. Er redete die nächsten Stunden von nichts anderem, als dem Spiel.

Abends habe ich die Mädchen in einem vegetarischen Restaurant namens “Chutney” auf Södermalm getroffen um dort mit ihnen zu Abend zu essen! Ein gemeinsames Abendessen in dieser Form haben wir noch nie zusammen gehabt, und ich fand es richtig schön. Das Restaurant war außerdem bezahlbar und das Essen vegan und super lecker.

Am nächsten Tag ging es endlich in die Fotografiska mit Franzi. Das Museum stand schon ewig auf meiner Liste und an diesem Tag war das Wetter so schmuddelig, dass man nichts besseres hätte tun können, als in ein Museum zu gehen. Es wurden verschiedene Ausstellungen gezeigt, aber alle gefielen mir gut. Jedoch muss ich sagen, dass es mir die Werke einer Fotografin namens Åsa Sjöström besonders angetan haben. Sie begleitet seit Jahren eine Familie in Moldavien, und ihre Fotos erzählen eindrucksvoll, wie die Menschen in einer der ärmsten Länder Europas leben. (Moldova: Silent Land, Joy and sadness, work and play, beauty and crisis – a series that conveys the contradictions of this small country that “finds itself continually somewhere in between.”

Zu guter Letzt bekamen wir (also die Schweden) Ende Januar hohen Besuch aus London. Kate und William kamen nach Stockholm, das erste Mal überhaupt, um die königliche Familie zu treffen. Zwei Tage lang waren sie in der Stadt, besuchten eine Schule, das Karolinska Institut, Museen, Ausstellungen und dinierten mit der königlichen Familie und Alicia Vikander. Bis zu diesem Tag hatte ich weder William und Kate, noch Daniel und Victoria jemals in echt gesehen und natürlich versuchte auch ich, wie so viele andere, einen Blick auf die königlichen Persönlichkeiten zu erhaschen. Den einen Tag bin ich in den Vasapark gefahren, wo William und Kate einem Bandy-Spiel beiwohnten, aber ich kam zu spät. Das öffentliche Treffen beider königlicher Paare auf Gamla Stan verpasste ich ebenfalls, da es erst am späten Nachmittag veranstaltet wurde und ich da schon wieder auf Lidingö sein musste. Dafür hatte ich aber am nächsten Tag Glück. Ich bin direkt nach meinem Sprachkurs zu einer nahegelegenen Schule gegangen, die William und Kate besuchen wollten, und tatsächlich tummelte sich dort schon eine große Menschenmenge, als ich eintraf. Das Problem war, dass keine genauen Zeiten veröffentlicht worden waren, wo die beiden sich wann aufhalten würden, aus Sicherheitsgründen. Das konnte ich zwar nachvollziehen, machte es aber nicht einfach, die beiden zu “treffen”.

An diesem Tag hatte ich aber Glück, denn nach weniger als 10 Minuten Warten kamen die beiden aus der Schule hinaus und wurden unter lauten Kindern zu ihrem Auto geleitet. Ich habe sie zwar nur aus der Ferne gesehen, fand es Abe trotzdemr total faszinierend. Kate ist wirklich unwahrscheinlich hübsch und hat ein überwältigendes Lächeln. Mein Tag war damit auf jeden Fall gerettet! Später bin ich auch noch zu NK gefahren, wo die beiden sich eine Mode-Ausstellung oder sowas ansehen wollten, und dort traf ich auch meine Freunde und konnte nochmal William und Kate sehen, und sogar Daniel und Victoria! Tatsächlich muss ich aber gestehen, dass ich die britische Königsfamilie noch ein bisschen aufregender finde. Letztendlich sind sie aber auch nur ganz normale Menschen, das sollte man nicht vergessen.

Bis bald,
Nele x

 

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