JANUARI || Stockholm Diary #19

Kaum habe ich mich daran gewöhnt, dass Januar und 2018 ist, ist der Monat auch schon wieder vorbei. Unfassbar, wie die Zeit rennt. Hier also ein kleiner Rückblick über die letzten Wochen:

An Silvester hatte ich einen kleinen bis mittelgroßen emotionalen breakdown erwartet, doch dieser blieb überraschenderweise aus, genauso wie an Weihnachten. Wir haben ein großes Fest bei Roland veranstaltet und es gab wieder ein pompöses Festessen, mit traditionellem Hummer und Muscheln. War richtig was für mich. Nicht. Es war zum Glück nur die Vorspeise und der Hauptgang war dafür genau mein Ding. Um 0:00h lagen sich alle in den Armen, die Väter veranstalteten ein kleines Feuerwerk, trotz des nervigen Nieselregens, und kurz danach schliefen auch schon sämtliche Kinder im Stehen ein.

An Neujahr haben wir mit der ganzen Familie einen Spaziergang in Långängens Gård gemacht und danach in dem fantastischen kleinen Café dort Lunch gegessen. Es war einfach nur herrlich!

Die nächsten Tage waren wir viel zu Hause, weil die Kinder noch Ferien hatten und ich ja auch. Betty und Jonas waren aber recht schnell wieder arbeiten. Einen Tag sind A., S. und ich in die Stadt gefahren, um in einem fancy Café, zu dem A. wollte (natürlich), eine warme Schokolade zu trinken, aber nachdem wir die Schlange davor gesehen hatten, sind wir dankend woanders hingegangen und haben stattdessen Hamburger gegessen. Auch gut.

Danach ging es noch weiter in ein Museum, weil ich es nicht länger ertragen habe, die Kinder nur vor ihren Bildschirmen zu sehen und es zudem wirklich viele tolle Museen in Stockholm gibt, die ich selbst noch nicht gesehen habe. Es ging ins Naturhistoriska Riksmuseet, welches neben tollen Ausstellungen auch über ein IMAX Kino verfügt, wo wir uns einen spannenden Film über Elefanten und Schimpansen angesehen haben. Der Eintritt ins Museum ist sogar kostenlos, nur das Cosmonova muss man bezahlen. Große Empfehlung! Obwohl die Kinder vorher ewig mit mir gestritten hatten, warum sie denn bitte in ein „stinklangweiliges“ Museum mit mir müssten, fanden sie es ganz großartig und ich konnte ihnen gar nicht so schnell folgen, wie sie begeistert von einem Mit-mach-Infokasten zum nächsten gerannt sind. Am Ende gab es natürlich eine heiße Schokolade und Möhrenkuchen. Mums!

Am Wochenende stand dann der erste Parkrun des Jahres an und da waren Cisco und ich natürlich am Start. Ich habe Cisco nämlich einfach mitgenommen, nachdem ich zu Hause herausgefunden habe, dass er der beste Laufbuddy ever ist. Alle fanden es super cool, dass er dabei war, vor allem auch deshalb, weil er es gar nicht erwarten konnte loszulaufen. Den ersten Kilometer sind wir sogar mit den ’schnellen Kerlen‘ mitgelaufen, weil ich Cisco gar nicht bremsen konnte. Irgendwann hat er sich aber meinem Tempo angepasst und wir hatten einen tollen Lauf mit einer neuen persönlichen Bestzeit, wer hätte das gedacht. Nach dem Lauf fragte mich tatsächlich eine Läuferin mittleren Alters mit großen Augen, ob mein Hund denn „das Tempo halten“ könnte. Ich musste richtig lachen und antwortete, dass nicht der Hund Probleme mit dem Tempo habe, sondern ich, haha.
Abends haben wir bei uns ein großes Familien-Abendessen mit Freunden der Familie veranstaltet, was wirklich schön war, nur bleibt das Aufräumen der Küche dann meistens an mir hängen.
Am nächsten Morgen habe ich mich aber erstmal verdrückt, weil ich mit Franzi in einem meiner Lieblingscafés brunchen war. Wir haben uns unglaublich gefreut, sofort einen Tisch gefunden zu haben, weil das echt eine Leistung in Stockholm ist, und sind dort auch ewig sitzen geblieben, um zu quatschen.

Einen meiner schönsten Schweden Momente bis jetzt hatte ich in der darauf folgenden Woche. Ich habe Emma in Täby besucht und wir sind auf einem großen zugefrorenen See Schlittschuh laufen gegangen! Meine letzte richtige Erinnerung an Eislaufen auf einem gefrorenen Gewässer liegt Jahre zurück und war noch vor unserem Umzug nach Wilhelmshaven 2006.
Ich habe bis jetzt kaum etwas schöneres gesehen in Schweden. Ein großer, zugefrorener See. Sonne. Blauer Himmel. Kalte, klare Luft. Stille, die nur vom Kratzen der Schlittschuhe auf Eis unterbrochen wird.
Kennt ihr diese Momente im Leben, in denen man so sehr von Glück und Zufriedenheit erfüllt ist, dass man dieses Gefühl am liebsten in ein Einmachglas schließen möchte, damit man es irgendwann wieder aufmachen kann, um sich daran zu erinnern, wie glücklich man eigentlich sein kann?

Zusammen mit wenigen andern Menschen umkreisten wir den See zwei Mal und genossen dabei jeden Augenblick. Emma hatte sogar an eine Thermoskanne Früchtetee und Handtücher gedacht, und so veranstalteten wir mitten auf dem See auf einem eigefrorenen Steg einen Teeparty. Die Zeit verging wie im Flug und schon wurde es Zeit, wieder nach Hause zu fahren. Die Schule hatte nämlich mittlerweile wieder angefangen und klein A. wartete darauf, aus dem Lernparadies abgeholt zu werden.

Donnerstag Morgen habe ich mir etwas Stockholm gegönnt und war danach fikan mit Franzi. Es gibt noch so viele Cafés, die ich gerne testen möchte, dass ich gar nicht weiß, wie ich alle in den nächsten Monaten bewältigen soll. #Luxusprobleme

Am nächsten Tag waren Franzi und ich bei Freunden auf ein Bier eingeladen und da konnten wir natürlich nicht nein sagen! Es wurde ein richtig gemütlicher Abend mit guten Gesprächen. Sowas machen wir viel zu selten! Ich bin aber nicht all zu lange dort geblieben, weil ich am nächsten Tag unbedingt den Parkrun mitlaufen wollte.

Cisco war auch wieder am Start und freute sich wie verrückt. Es war wirklich die beste Idee, ihn beim Parkrun zu etablieren. Er ist mittlerweile ein festes Mitglied der Parkrun Gang und wird von allen liebevoll ‚Cisco the parkrun dog‚ genannt.

Als ich nach Hause kam, war Jan da. Zwar nur über’s Wochenende, aber immerhin. Wir haben Cisco ins Auto verladen und sind mit S. und Franzi nach Längängens Gård gefahren. Es wurde ein kalter aber herrlicher Spaziergang, der mit einem Besuch im Princess Café abgerundet wurde. Was würden wir nur ohne die gute alte Fika tun.

Sonntag waren wir nochmal spazieren, dieses Mal aber in Elfvik und mit Jonas.

Abends ist Jan schon zurück nach Jönköping gefahren, weil die Uni wieder los ging und ich habe meine letzte Ferienwoche gestartet. Mein Sprachkurs ging erst in der dritten Januar Woche los, deshalb habe ich die Woche davor genutzt, um möglichst viele schöne Dinge zu erleben, für die ich sonst keine Zeit habe. An einem Dienstag Morgen habe ich deshalb z.B. einen Ausflug ins Vasa-Museum gemacht, weil mir das einfach JEDER empfohlen hat und ich es mir lange Zeit nicht angesehen hatte, weil ich Outdoor-Aktivitäten cooler fand. Es war sehr beeindruckend, ein so großes (gesunkenes) Schiff vor sich zu sehen, und vor allem in einem so makellosem Zustand! Mir hat außerdem gefallen, dass der Rest des Museums ausgesprochen übersichtlich war, und man nicht das Gefühl hatte, nicht einmal alle Informationen lesen zu können, wenn man eine Woche dort verbringen würde. Der Eintrittspreis war mit einem Schülerausweis übrigens auch in Ordnung. (Meiner ist zwar schon lange abgelaufen aber darauf hat hier noch nie jemand geachtet. Einfach ein bisschen dreist sein, Ladies.) Alleine ins Museum zu gehen kann ich wirklich nur empfehlen! Man kann dann viel entspannter durchs Museum schlendern, schaut sich nur die Sachen an, auf die man auch wirklich Lust hat und muss nicht andauernd nach seinen Freunden suchen, die vielleicht schon vorgegangen sind. (Ich gehe aber natürlich auch gerne mit meinen Freunden ins Museum, so ist es nicht.)

Am Freitag habe ich mich dann aufgerafft und bin mit meinem Laptop in die Stadt gefahren, um endlich meine Uniplanung in Angriff zu nehmen, weil ich einem gewissen jungen Mann, der sich (nebenbei bemerkt) ruhig mal wieder hier blicken lassen kann, versprochen hatte, mich darum zu kümmern, bevor die Schule wieder los geht. So verbrachte ich also einen ganzen Vormittag mit überteuertem Kaffee vor meinem Laptop.

Zum nächsten Parkrun wäre ich fast nicht gegangen, weil ich mich wenige Tage zuvor schön auf die Nase gelegt habe, als ich mit Cisco draußen war. Er hatte einen anderen Hund entdeckt und ist losgerannt. Blöderweise stand ich auf gefrorenem Schnee. Richtig gewonnen, kann man sagen. Nicht. Mein Knie war noch die nächsten 10 Tage blau. Trotzdem bin ich Samstag zum Parkrun gefahren und es war der schönste Lauf, den ich jemals hatte! Ich hätte es so sehr bereut, wenn ich nicht hingegangen wäre! Der Winter war wieder zurück in Stockholm und alles war eingeschneit. Außerdem war wundervolles Winterwetter und auf halber Strecke konnte man über den Park hinunter auf den gefrorenen See blicken, während im selben Moment die Sonne über den Bauwipfeln aufging und die ganze Szene in wunderschönes orange-rosanes Licht tauchte. Es war atemberaubend schön. Ich hätte ja am liebsten angehalten, um ein Foto zu machen, aber mein Ehrgeiz war dann doch zu groß. Zum Glück gab es viele liebe freiwillige Helfer, die Fotos machten.

Wie mein Januar danach weiter ging, erzähle ich euch im nächsten Beitrag!

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