MEIN LEBEN IN SCHWEDEN: WOCHENRÜCKBLICK #4

Ihr Lieben,

schon wieder ist eine weitere Woche hier in Schweden vergangen und ich kann gar nicht oft genug betonen, wie sehr die Zeit doch verfliegt!

Montag:
Heute war mein erster Tag in der Sprachschule (Medborgaskolan). Ich war aufgeregt wie ein kleines Kind! Alles war aber ganz harmlos, wir sind ein Kurs bestehend aus 13 deutschen Mädchen und einer Österreicherin. Der Kurs heißt „Svenska für au pairer – Nybörjare“ und ist extra für Anfänger (wie wir es sind) ausgelegt. Niemand aus meinem Kurs hat Vorkenntnisse, wir sind also alle absolut ahnungslos, eingeschüchtert und erpicht darauf, so schnell wie möglich Schwedisch zu lernen!

Unsere Lehrerin heißt ‚Gunilla‘ und ist ein absoluter Schatz. Ich habe in meinem Leben wenige Lehrerinnen kennengelernt, die mit 62 Jahren noch so enthusiastisch sind, wie ‚Gugu‘. Sie ist tatsächlich das Beste, was mir passieren konnte. Scheinbar spielerisch erörtert sie uns die Vorzüge der schwedischen Sprache, während sie nebenbei noch den ganzen Kurs mit ihrem Witz unterhält.

Die Sprachschule findet drei Mal die Woche statt und ich brauche 45-60 Minuten, um mit Bus und Bahn dorthin zu kommen. Das klingt recht lang, aber ich habe mir angewöhnt, während der Fahrt ein Hörbuch zu hören, und dann ist man plötzlich schneller am Ziel, als einem lieb ist.

Dienstag:
Da die Sprachschule montags, mittwochs und freitags stattfindet, ist dienstags immer die perfekte Gelegenheit, zum Sport zu gehen, weil ich eh unterwegs bin, um A. zur Schule zu fahren und ich ansonsten nochmal ganz aus Sticklinge (dem Fleckchen Erde wo ich lebe) nach Lidingö Centrum fahren muss. Davon abgesehen ist Dienstag eh mein ‚Ich-bin-das-persönliche-Taxi-der-Kinder-Tag‘. Wenn ich das eine Kind zum Sport gebracht habe, habe ich circa eine Stunde Zeit zu Hause, muss dann los, das andere Kind wegbringen, habe dann wieder eine knappe Stunde zu Hause und muss mich dann schon wieder auf den Weg machen, um beide abzuholen.

Wir sind bemüht, Fahrgemeinschaften zu bilden, aber manchmal sind die Kinder befreundeter Familien schlichtweg in anderen Gruppen oder zu anderen Zeiten eingeteilt, um dann bleibt mir nichts anderes übrig, als die selbe Strecke 8-10 Mal am Tag zu fahren.

Mittwoch:
Heute war wieder Sprachkurs und es lief alles schon viel flüssiger und besser, als gedacht. Langsam lerne ich die Namen der anderen Mädchen und es sind wirklich viele super nette AuPairs dabei. Aus der anfänglichen Schüchternheit hat sich mehr und mehr Neugier entwickelt und ich habe herausgefunden, dass ich tatsächlich als Einzige auf Lidingö leben. Die Anderen wohnen alle in und um Stockholm verteilt. Unsere ersten Sätze sitzen seit dieser Stunde auf jeden Fall („Vad heter du? Varifrån kommer du?“ usw.) und Gunilla prescht in einem atemberaubenden Tempo durch Vokabellisten und Grammatikregeln.

Kleine spontane Geburtstagsfeier im Schwedischkurs

Nach dem Unterricht habe ich die eine Stunde Freizeit, die ich habe, bevor ich A. von der Schule abholen muss, genutzt, um mir die Uni anzusehen. Von der Sprachschule aus sind es nur ein paar wenige Stationen mit der UBahn und mit der SL Karte meiner Gasteltern kann ich so viel ich möchte mit der tunnelbanan fahren, was außerordentlich praktisch ist. Schnell habe ich herausgefunden, dass eine Stunde nie und nimmer reicht, um den Campus zu erkunden, da er (in meinen Augen) riesig ist. Was ich gesehen habe, hat mir sehr gut gefallen, aber ich muss unbedingt nochmal mit Franzi und Madi, meinen lieben AuPair Freundinnen (siehe Bilder unten) wiederkommen, und alles in Ruhe erkunden. Zwar weiß ich, dass ich in Hannover studieren möchte, wenn dieses Jahr vorbei ist, aber es reizt mich dennoch, andere Unis anzuschauen, rein der Neugier wegen.

Donnerstag:
Auf diesen Besuch habe ich mich seit meiner Ankunft hier in Schweden gefreut: IKEEEAA. Jap. Es klingt vielleicht dämlich, dass ich mich darauf freue, in ein Möbelhaus zu gehen, das es überall in Deutschland gibt, aber ich wollte schon immer in einen Ikea in Schweden gehen! Da meine Mädels auch Lust darauf hatten, ging es spontan mit dem Auto los Richtung Süd-Westen Stockholm, nachdem die Kinder in der Schule abgeladen waren. Die vermeintlich entspannte Fahrt entpuppte sich als Alptraum für mich, Nele, 19, noch immer in der Probezeit. Statt der erwarteten Landstraße erstreckte sich eine vierspurige Autobahn vor mir, von den zweispurigen Kreisverkehren mit fünf Abfahren in Stockholm ganz abgesehen. Stockholm um halb 10 im Berufsverkehr: Kein Spaß. #ciao


Endlich angekommen hatten wir aber riesig viel Spaß. Wenn man in Deutschland in einen Ikea kommt, ganz egal ob Oldenburg, Dortmund, Köln: jeder ist gleich aufgebaut. Oben gucken, unten kaufen. Dieser Ikea verteilte sich jedoch über fünf spiralförmig angeordnete Etagen, die einen übergangslos von Station zu Station führen. Wir tobten uns vor allem in der Kerzen und Deko Abteilung aus, weil wir unsere Zimmer ein wenig verschönern wollten. Mein neues Highlight: Eine Lichterkette, woop woop!

Freitag:
Mein Sprachkurs fängt freitags (leider) eine halbe Stunde eher an und geht dann auch noch eine halbe Stunde länger als sonst. Das ist ziemlich anstrengend und außerdem insofern problematisch, da ich A. dann nicht zur Schule fahren kann.

Zum Glück haben die Kinder am Freitag keine sportlichen Aktivitäten, und so steht nur Haushalt machen und abends kochen auf meinem Plan, wenn ich nach Hause komme. Für heute hatte sich S. Nachos mit Avocadocreme gewünscht, aber ich habe noch Süßkartoffeln und Baked Beans gemacht, damit auch alle satt werden. Das „mit den Kindern zusammen kochen“ funktioniert noch nicht so richtig gut, aber ich arbeite daran.

Samstag:
Der ursprüngliche Plan für heute war, etwas mit meiner Familie zu unternehmen, aber ich wusste nicht, dass heute irgendein besonderer Fußballtag mit vielen Turnieren und außerdem Gymnastik Training für A. war. Deshalb habe ich mich spontan mit Franzi und Madi verabredet und wir sind erst in Lidingö Zentrum bummeln gegangen und dann mit der Bahn nach Gåshaga Brygga gefahren, weil Franzi meinte, da gäbe es irgendein tolles Schiff oder so zu sehen, aber als wir ankamen, war dort absolut gar nichts. 😀 War überhaupt nicht schlimm, wir hatten trotzdem viel Spaß!

Sonntag:
Heute standen viele verschiedene Sachen an, aber nichts wirklich besonderes. Ich war einkaufen, beim Sport, habe einen Kuchen für Bettys Geburtstag gebacken und meine schwedisch Hausaufgaben gemacht. Der Tag, eigentlich die ganze Woche, flog nur so vorbei.

Es ist zwar nicht immer alles nur toll, dass ich muss ihr ehrlich sagen, aber insgesamt bin ich nach einem Monat hier sehr glücklich. Ich habe tolle neue Menschen kennengelernt, ein zweites zu Hause gefunden, eigene Ängste überwunden, viel über mich selbst gelernt und mein Leben selbst in die Hand genommen. Die größte Schwierigkeit für mich ist zur Zeit noch, dass ich die Kinder vermutlich lieber habe, als sie mich, aber ich muss mir da wohl einfach noch etwas Zeit geben. Außerdem stört es mich, dass ich noch immer keine fünf Sätze Schwedisch hintereinander sagen kann, aber ich lerne immer fleißig und muss mich wohl auch da in Geduld üben! 

Bis nächste Woche,
Nele x

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